Montag, 4. Mai 2015

Wie wichtig sind Kinderbücher?

„Wir rezensieren nur wichtige Bücher von großen, wichtigen Verlagen!“, wehrte der Redakteur einer Rundfunkanstalt ab, als ich ihn telefonisch fragte, ob er mein Kinderbuch in seiner Sendung rezensieren würde. Autsch! Man könnte daraus schließen, dass Bücher aus einem kleinen noch unabhängigen Verlag scheinbar automatisch nicht wichtig sein können.  Vor 20 Jahren wurden in eben dieser Sendeanstalt zwei Bücher von mir besprochen. Aber in diesen 20 Jahren hat sich im Buchgeschäft sehr viel verändert. Für alle, für Leser, Autoren, Verlage, Buchhandlungen …
Aber was sind überhaupt wichtige Bücher? Solche, die Menschen unterhalten und von ihren Sorgen ablenken? Oder die unzähligen Ratgeberbücher für jedwede Lebenssituation? Wissenschaftliche Fachbücher? Bücher mit religiösem Inhalt? Lehrbücher? Nicht zu vergessen Gedichtsammlungen? Oder noch ganz andere?
Manche Bücher, die als hochwichtig dargestellt und beworben werden, sind für den Normalbürger kaum lesbar. Und sie sind genauso schnell wieder weg vom Fenster wie  andere, weniger wichtige. 
Sind gute Kinderbücher, egal ob aus einem kleinen oder einem großen Verlag, nicht immer wichtig?!
Kinder sind die späteren Leser von „wichtigen Büchern.“ Oder von den übrigen, den scheinbar unwichtigen, die es nicht ins Fernsehen oder Radio schaffen, den Krimis, Liebesromanen, Science Fiction Büchern, von Biographien und Phantasiegeschichten. Wenn es keine Kinderbücher gäbe, dann würden die Menschen in ein paar Jahrzehnten vielleicht überhaupt keine Bücher mehr lesen, sondern nur das, was im Alltag unbedingt notwendig ist, weil sie sich nicht rechtzeitig, also in ihrer Kinderzeit, für das Lesen begeistern konnten. 

Kinderbücher sind wichtig!
Lesen hilft uns, die Welt zu  verstehen. Lesen erschließt andere Welten, weitet den Blick und lässt uns im Geiste  Grenzen überschreiten.
Also sind Kinderbücher die Grundvoraussetzung für das spätere Leseverhalten der Erwachsenen. Ein Kinderbuch zu schreiben, ist nicht so leicht, wie sich ein Außenstehender das vielleicht vorstellt. Es bedeutet nämlich nicht, dass man nur mit einfachen Worten zu schreiben braucht. Oh nein! Der Autor muss sich noch in Kinder hineinversetzen können, sich sozusagen in ihre Denkwelt hineinbegeben. Ein Teil von ihm muss selbst noch Kind sein, auch wenn er diesen Teil im Alltag verborgen hält. Und er muss immer den richtigen Ton treffen, denn Kinder haben ein feines Gespür für falsche Töne und reagieren zum Beispiel mit Abwehr, wenn ein Buch mit dem erhobenen Zeigefinger daher kommt. Ich habe auch die altmodische Ansicht, nicht unbedingt die großen Weltprobleme wie Umweltverschmutzung, Kriege  und Flüchtlingsdrama zu thematisieren, was ja lange Zeit die große Welle bei den Kinderbüchern gewesen war.    
Ein Buch für Kinder muss sich in ihrer Welt abspielen, damit sie sich mit den Protagonisten identifizieren können. Speziell bei den Büchern für die Jüngeren halte ich gewaltfreie und fröhlich spannende Bücher ohne die ganz großen Weltprobleme für die besten. Die Sorgen, die Erwachsene für klein halten, die aber für Kinder  sehr groß sind, zum Beispiel Schulprobleme, reichen sowieso schon völlig aus! Und wie oft haben Kinder noch ganz andere, wirklich schlimme Probleme! Da brauchen sie nicht noch von Weltproblemen zu lesen.   
Deshalb ist „Drachenalarm“ auch „nur“ ein spannendes und fröhliches Mutmach-Kinderbuch geworden, dessen Fertigstellung gerade in die Endrunde geht.
 

1 Kommentar:

  1. eine wunderbare Rezension und Erklärung für die Erstehung eines Kinderbuches, das hätte mit den Klappentext kommen müssen oder sollen, dann nähmen es manch Eltern sicher gerne in die Hand. Kinder als kommende Leser, kaum vorstellbar wenn es keine Kinderbücher gäbe, nichts Illustriertes mutmachendes fröhlich Leichtes.
    Auch für mich kaum vorstellbar wenn es für die Kids jeden Alters nur noch I-Phones und Computer gäbe, das gute alte Handy zur zusätzlichen Kommunikation untereinander gibts ja eh kaum mehr. Lesen hilft uns die Welt zu verstehen warum versteht das kaum einer mehr?
    Da hast du einen ganz tollen und informativen Text hingelegt über den so manch einer länger nachdenken sollte....(auch ohne erhobenen Zeigefinger..:))

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